Ein Kapitel der Bibel lese ich zur Zeit immer wieder, denn es enthält viel Wichtiges zum Thema des Verhaltens der Christen untereinander.
Als ich gläubig wurde, war ich noch ganz naiv und hab gedacht, Christen wären alle "lieb" zueinander (und zu anderen), denn schließlich sind doch alle Geschwister im Herrn.
Schnell wurde ich eines anderen belehrt, das Christen genauso sind wie andere Menschen, genauso unzuverlässig, genauso lästern, genauso urteilen.
Das macht mich immer wieder traurig, denn sollte nicht unser Leben die Liebe Jesu wiederspiegeln?
In einer Welt, wie dieser, sollten da nicht alle Christen zusammen halten?
Statt dessen wird alles unterteilt und verurteilt, es gibt nicht eine Kirche Christi, sondern viele unterschiedliche - nicht eine Gemeinschaft der Heiligen, sondern eher einen Krieg unter "Heiligen".
Grade in der Anfangszeit konnte ich so vieles nicht verstehen, z.B. kannte ich eine, die hat Gott geliebt, war aber täglich beschäftigt mit Pendeln - richtig süchtig danach. Suchte dort Antworten, statt bei Gott.
Dann konnte ich auch nicht nachvollziehen, wie man Gothic und Christ sein kann, da grade in dieser Szene es vieles gibt, was eher von der dunklen Seite kommt (gibt es aber natürlich auch unter "Normalen").
Lauter Fragezeichen hatte ich im Kopf, wie es denn bloß zusammen passt, das man Jesus liebt, aber Dinge tut, die so gar nicht der Bibel entsprechen, das man die Bibel so unterschiedlich auslegen kann und viele s mehr.
Dann hatte ich einen Traum, ich war in einem großem Haus mit vielen Zimmern, in allen Zimmern waren ganz unterschiedliche Christen, die ganz unterschiedliche Dinge taten - eine Stimme sagte dann (ich weiß nicht, ob ich den richtigen Wortlaut habe) "bei meinem Vater gibt es viele Wohnungen". Dies hat mir klar gemacht, ganz klar, auch wenn ich nicht verstehen kann, was einige Christen tun, denken oder wie sie sich verhalten, wenn sie Gott lieben, Jesus angenommen haben, sind sie SEINE Kinder - meine Geschwister im Herrn und so sollte jeder Christ den anderen annehmen - in Liebe und so wie er ist und wo er steht.
Denn wie alle Menschen unterschiedlich sind, unterschiedlich aufwachsen und geprägt werden, so einzigartig ist auch ihr Leben mit Jesus, was Jesus in ihrem Leben wirkt, wie Gott verändert, wie sie sich entwickeln, was sie glauben uvm. In der Bibel steht so vieles zu diesem Thema ("einige trinken Milch, andere nehmen feste Nahrung", "jedes Glied ist wertvoll", "jeder Teil des Leibes Jesu hat seine eigene Aufgabe" - alles frei zitiert, kann aber gerne noch Stellen dazu raussuchen).
Jesus hat schon damals gewusst, wie die Menschen sind und was sich daraus entwickeln würde - ER wollte ganz sicher keine Uneinheit unter Christen.
Ich möchte noch ein paar Sätze von Paulus zitieren (aus der Übersetzung der Hoffnung für Alle), es lohnt sich aber das ganze Kapitel zu lesen (Römer 14):
"Nehmt auch den ohne Vorbehalte an, der als Christ meint, vieles ängstlich meiden zu müssen. Verwirrt ihn nicht noch dadurch, daß ihr über unterschiedliche Ansichten streitet." (Vers 1)
"Niemand sollte deswegen auf die im Glauben Schwachen verächtlich herabschauen. Diese wiederum haben nicht das Recht, jemanden zu verurteilen, weil er das Fleisch der Opfertiere ißt. Denn Gott hat den einen wie den anderen in seine Gemeinschaft aufgenommen." (Vers 3)
"Du bist nicht der Herr deines Nächsten. Mit welchem Recht willst du ihn also verurteilen? Er ist nicht dir verantwortlich, sondern Gott, und der ist stark genug, ihn vor falschen Wegen zu bewahren." (Vers 4)
"Es gibt Leute, für die bestimmte Tage von besonderer Bedeutung sind. Für andere wieder sind alle Tage gleich. Das soll jeder so halten, wie es nach seiner Überzeugung richtig ist." (Vers 5)
"Mit welchem Recht verurteilst du also einen anderen? Und warum verachtest du deinen Bruder, nur weil er sich anders verhält? Vergiß nicht, daß wir einmal alle vor Gott stehen werden und er über uns urteilt." (Vers 10)
"So wird also jeder für sich selbst vor Gott Rechenschaft ablegen müssen.
Deshalb wollen wir uns nicht länger gegenseitig verurteilen. Keiner soll durch sein Verhalten den anderen in Bedrängnis bringen oder in seinem Glauben verunsichern." (Vers 12+13)
"Achtet also darauf, daß nicht durch derartige Nebensächlichkeiten der Glaube an Christus in Verruf gerät." (Vers 16)
"Deshalb wollen wir uns mit allen Kräften darum bemühen, in Frieden miteinander zu leben, und einander helfen, im Glauben zu wachsen." (Vers 19)
"Bleibe bei deiner persönlichen Überzeugung, wenn du sie vor Gott vertreten kannst, aber versuche nicht, sie anderen aufzudrängen. Denn nur der hat Frieden, der mit seiner Überzeugung vor dem eigenen Gewissen bestehen kann." (Vers 22)
Cool, dass Dir dieses Thema wichtig ist und Du es mit diesen Versen so gut thematisiert hast.
Und doch habe ich den einzigen, heiligen Geist in mir, der mir klar vor Augen führt, was wahr ist und was nicht. Wir sollen uns nicht durcheinander bringen lassen, sondern immer wieder zur Wahrheit finden, um sie dann auch im passenden Moment weitergeben zu können.
Ich muss zugeben, dass ich mich nicht oft für die Einheit der Christen einsetze. Es ist eines der wichtigsten Ziele und eigentlich hat Jesus auch nur "eine Gemeinde"...
Seine Nachfolger sollen "einen Geistes" sein. Und doch trifft man so viele Christen, die immer wieder die Unterschiede zwischen katholischen, protestantischen, charismatischen, pietistischen, agnostischen, evangelikalen und adventistischen Ansichten (Liste natürlich endlos) heraus stellen. An manchen Stellen ist das sogar angebracht. Ich bin nicht daran interessiert, ein anderes Evangelium zu verkünden als das, das in der Bibel steht. Ich bin katholisch aufgewachsen und kenne die Unterschiede zu meinem jetzigen Lebensstil nur zu gut. Dennoch verpasse ich es manchmal, andere Personen in ihrem Glauben hoch zu schätzen und zu respektieren.
Ist eben auch nicht so einfach, abzuwägen, wann man anderer Meinung sein muss/darf und wann es angebracht ist, dem Juden ein Jude zu werden, dem Buddhisten ein Zen-Meister und dem Katholiken ein Papst...
Lehrmeinungen können so unterschiedliche Auswüchse bekommen, obwohl alle die Schrift als Orientierung haben. Und es fällt natürlich manchmal schwer, die eigene Überzeugung zurück zu stecken, das Gegenüber zu Wort kommen zu lassen und vor allen Dingen, den Streit darüber zu meiden. Der bringt tatsächlich wenig...